Marokkanisches Gold

Zum ersten Mal hörte ich im tiefsten Süden von Marokko davon: Ein Taxifahrer bei Ouarzazate schwärmte von der zarten Haut der Berberinnen. Er meinte, das liege am wundervoll pflegenden Arganöl. Er lächelte mich freundlich an, und meinte weiter: Auch bei mir sei da noch etwas rauszuholen. Das Lächeln

wurde geschäftstüchtig, er könne mir ein Flacon von dem Wundermittel besorgen. Der Preis, den er mir nach langem Feilschen machte, übertraf immer noch den eines Topfs Luxus-Creme. Aus dem Deal wurde nichts…

Mittlerweile findet man Arganöl auch hier in der Schweiz, und dennoch hab ich es noch nie gekauft und in der Küche ausprobiert. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass ich Arganöl zuerst als Hautpflegemittel kennengelernt habe. Aber irgendwie hat es mich immer befremdet, meinen Salat mit Kosmetik anzumachen.

Kürzlich habe ich das neue Geschäft «Vom Fass» in Zürich besucht, da ist mir das Arganöl wieder begegnet.

«Vom Fass» Zürich: Öl und Essig direkt vom Fass in grosser Auswahl.

«Vom Fass» Zürich: Öl und Essig direkt vom Fass in grosser Auswahl.

Da ist mir die Verheissung von glatter Haut wieder in den Sinn gekommen, und ich hab mir ein Fläschchen gekauft. Denn seit besagtem Erlebnis in Marokko sind zwölf Jahre vergangen! Also, besser spät als nie.

Thomas Russell ist ein Spezialist für Öle und Essige - auch in der Küche.

Thomas Russell ist ein Spezialist für Öle und Essige – auch in der Küche.

Faszination Arganöl - in der Tat!

Faszination Arganöl – in der Tat!

Thomas Russell, der Inhaber des Geschäfts und Ölspezialist, musste mich allerdings enttäuschen. Die Nüsse für das Arganöl wurden geröstet, das gibt dem Öl einen nussigeren Geschmack, aber leider auch einen solchen Geruch. Von einer kosmetischen Anwendung ist somit wohl eher abzusehen. Dafür hat mir Thomas sein Lieblings-Couscousrezept mit Arganöl verraten.

Schmeckt super lecker: Couscous mit Dörrtomaten, aromatisiert mit Arganöl und Calamansi-Balsam-Essig.

Schmeckt super lecker: Couscous mit Dörrtomaten, aromatisiert mit Arganöl und Calamansi-Balsam-Essig.

Arganbäume kommen nur in Marokko vor. Das Öl gewinnt man aus dem weichen Kern der Arganfrucht, ähnlich wie beim Mandelöl. Das Pflücken der Früchte und die Verarbeitung zu Öl geschehen auch heute noch in Handarbeit. «Vom Fass» bezieht sein Arganöl von einem Projekt, das Frauen in dieser kargen Region eine Verdienstmöglichkeit eröffnet, zudem ist das Öl aus kontrolliert biologischem Anbau. Vorsicht darum bei Schnäppchen aus dem Internet, denn ein fair gehandeltes, biologisches und sortenreines Arganöl hat seinen Preis, ist aber hier in der Schweiz immer noch günstiger, als wenn ihr es bei einem Taxifahrer in Marokko kauft.

Im Rezept von Thomas kommt auch Calamansi-Balsam-Essig vor, eine echte Entdeckung! Calamansi sind mandarinenähnliche Zitrusfüchte, die nur auf den Philippinen vorkommen. Aus dem Mark der Früchte entsteht zusammen mit Branntweinessig und Zucker ein milder, sehr aromatischer Balsamessig, der einen langanhaltenden Abgang mit intensivem Mandarinenaroma hat. Der Balsam harmoniert wunderbar mit Arganöl – ein echtes kulinarisches Traumpaar.

Das Arganöl aus gerösteten Nüssen ist goldgelb und hat einen angenehm nussigen Geschmack.

Das Arganöl aus gerösteten Nüssen ist goldgelb und hat einen angenehm nussigen Geschmack.

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Eine echte Entdeckung: der fruchtig-süsse Calamansi-Balsam mit einer milden Säure.

«Vom Fass»-Geschäfte gibt es übrigens noch in weiteren Schweizer Städten.