Überraschende Begegnung mit Hildegard von Bingen

Hildegard von Bingen hatte viele Talente. Sie interessierte sich für Musik, Kosmologie, Mystik, Religion, Kräuter und gesunde Ernährung. Am bekanntesten ist wohl ihr Plädoyer für Dinkel. Und natürlich als Kräuterheilkundige hat sie sich einen Namen gemacht. Kürzlich habe ich noch eine ganz andere Entdeckung betreffend Hildegard von Bingen gemacht:

Den vielen Flaschen mit reinen ätherischen Ölen entströmen betörende Düfte.

Den vielen Flaschen mit reinen ätherischen Ölen entströmen betörende Düfte.

Es duftet betörend nach Bergamotte, Lavendel, Pfefferminze, Zimt, Fichtennadeln, Zitronenmelisse und Honig. Tatort ist das Atelier von Nicola Casanova in Zufikon.

Nicola führt uns in die Kunst des Seifensiedens nach Hildegard von Bingen ein. Seit 2010 stellt Nicola ihre beliebten Duschmödeli her, reine Naturseifen, parfümiert mit natürlichen ätherischen Ölen. Es gibt Mödeli mit vergessenen Kräutern, die in Zusammenarbeit mit ProSpeciaRara entstanden sind, andere für spezielle Hautprobleme, wieder andere haben einen philosophischen Hintergrund, wie dasjenige, das wir heute nach Hildegard von Bingens Inspiration herstellen.

Nicola Casanova betreibt die Freiämter Duschmödeli-Manufaktur.

Nicola Casanova betreibt die Freiämter Duschmödeli-Manufaktur.

Seifen selber herstellen braucht schon einiges an Erfahrung, aber unter kundiger Anleitung können das auch Laien wie ich (siehe Beschreibung unten).

Das Spezielle am Hildegard-Mödeli ist jedoch, dass das Rezept uralt ist. Es stammt aus einer Zeit, als Seife noch ein absolutes Luxusgut und der Adelsschicht vorbehalten war. Hildegard soll Brennnesseln für die Seife empfohlen haben, denn die Brennnessel stärkt gemäss ihrer Kräuterkunde das Gedächtnis und hilft bei Vergesslichkeit und Zerstreutheit. Und das kann ja nie schaden.

Zur Parfümierung standen Hildegard allerdings noch nicht sehr viele ätherische Öle zur Verfügung, diese entdeckte man erst viel später für die Seifenproduktion. Was sie aber gekannt haben dürfte, das war Lavendel, damit haben wir die Seife dann auch parfümiert. Natürlich hat eine gute Naturseife – wie jedes Parfüm – eine Kopf-, Herz- und Basisnote. Also haben wir nebst der Herznote Lavendel als Basisnote Vetiver und als Kopfnote Bergamotte verwendet.

Das Hildegard-Duschmödeli ist im Einsatz und duftet köstlich.

Das Hildegard-Duschmödeli ist im Einsatz und duftet köstlich.

Entstanden ist ein wunderbar duftendes Duschmödeli, das jetzt in meiner Küche zum Einsatz kommt. Denn beim Kochen wäscht man sich oft die Hände, und das ist mit einer so sinnlich duftenden Seife ein besonderer Genuss. Und nicht zu vergessen: Seifen machen im Vergleich zu Handwaschcremes einfach mehr Sinn.

Denn in der Handwaschcreme kauft man ein kleines Stück Seife oder etwas Seifenähnliches und viel Wasser. Hinzu kommt noch reichlich Verpackung, die dann wieder weggeworfen wird. Seife ist unter diesem Blickwinkel gesehen, viel ökologischer und auch sparsamer. Zudem haben Seifen zu unrecht den Ruf, die Haut auszutrocknen. Eine gut hergestellt Naturseife pflegt die Haut wunderbar.

Viel Interessantes rund ums Seifensieden und zur Hautpflege findet ihr auf der Homepage der Freiämter DuschMödeli Manufaktur. Wenn ihr nun auch Lust aufs Seifensieden bekommen habt, Nicola bietet diverse Kurse an. Und natürlich kann man die Duschmödeli auch bestellen.

 

Naturseife herstellen

Das zu verseifende Olivenöl wird genau abgemessen.

Das zu verseifende Olivenöl wird genau abgemessen.

Dazu kommen getrocknete Brennnesselblätter.

Dazu kommen getrocknete Brennnesselblätter.

Weitere pflegende Öle und Mangobutter beigeben, alles bei 80 Grad warm halten.

Weitere pflegende Öle und Mangobutter beigeben, alles bei 80 Grad warm halten.

Die ätherischen Öle werden ebenfalls genau abgemessen, aber erst ganz am Schluss beigegeben.

Die ätherischen Öle werden ebenfalls genau abgemessen, aber erst ganz am Schluss beigegeben.

Am meisten aufpassen und ganz genau messen muss man beim Laugenpulver, hier ist höchste Präzision nötig, denn Lauge reagiert äusserst aggressiv. Zudem darf niemals Wasser an Lauge kommen, das gäbe eine explosionsartige Reaktion. Also Vorsicht!

Am meisten aufpassen und ganz genau messen muss man beim Laugenpulver, hier ist höchste Präzision nötig, denn Lauge reagiert äusserst aggressiv. Zudem darf niemals Wasser an Lauge kommen, das gäbe eine explosionsartige Reaktion. Also Vorsicht!

Das ist der kniffligste Moment in der Seifenherstellung: Die Lauge wird in das genauestens abgemessene Wasser gegeben (und niemals umgekehrt!). Da beim Zusammentreffen von Wasser und Lauge giftige Dämpfe entstehen, wird das hier unter einem speziellen Dampfabzug gemacht. Schutzbrille und Gummihandschuhe sind Pflicht, und eben: Dämpfe nicht einatmen.

Das ist der kniffligste Moment in der Seifenherstellung: Die Lauge wird in das genauestens abgemessene Wasser gegeben (und niemals umgekehrt!). Da beim Zusammentreffen von Wasser und Lauge giftige Dämpfe entstehen, wird das hier unter einem speziellen Dampfabzug gemacht. Schutzbrille und Gummihandschuhe sind Pflicht, und eben: Dämpfe nicht einatmen.

Nun wird das Öl-Laugengemisch lange mit einem Stabmixer aus Edelstahl (kein Aluminium!) gerührt, bis das Gemisch verseift ist.

Nun wird das Öl-Laugen-Gemisch lange mit einem Stabmixer aus Edelstahl (kein Aluminium!) gerührt, bis das Gemisch verseift ist.

Ist die Masse fertig verseift, wird sie gallertartig und recht fest.

Ist die Masse fertig verseift, wird sie gallertartig und recht fest.
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Damit die Seife eine hübschere Farbe und ein Muster bekommt, werden noch natürliche, weisse Pigmente untergemischt.

Damit die Seife eine hübschere Farbe und ein Muster bekommt, werden noch natürliche, weisse Pigmente untergemischt.

Die fertige Seife wird in Joghurtbecher gefüllt, und bleibt für 24 Stunden zum Trocknen stehen. Danach kann der Becher entfernt und die Seife in Scheiben geschnitten werden. Sie ist sofort zu gebrauchen, besser ist es aber, sie noch etwa zwei Wochen reifen zu lassen.

Die fertige Seife wird in Joghurtbecher gefüllt, und bleibt für 24 Stunden zum Trocknen stehen.

Danach kann der Becher entfernt und die Seife in Scheiben geschnitten werden. Sie ist sofort zu gebrauchen, besser ist es aber, sie noch etwa zwei Wochen reifen zu lassen.