Tatar, Tartar oder Tartare?

Der Sommer geht allmählich zu Ende und damit verschwinden dann auch wieder seine typischen Gerichte von den Speisekarten und Schiefertafeln vor den Restaurants. Nachdem mich die Schreibung von Tatar, Tartare bzw. Tartar einen Sommer lang amüsiert hat,

hier wieder einmal ein Blog zu kulinarischen Rechtschreibung (siehe auch den Blog Fehler à la carte). Da musste ich beim Pendeln immer wieder diese Werbung anschauen für eine gemütliche Feierabend-Zugfahrt mit einer Trilogie Tartar. Oder dann war da auf der Sommerkarte zu lesen: Roastbeef mit Tatar. Da stellte ich mir dann vor, dass selbst der grösste Karnivore grosse Augen macht, wenn er auf seinem Roastbeef einen Haufen gehacktes rohes Rindfleisch vorfindet. Aus dem gleichen Grund komisch finde ich es dann auch, wenn auf der Speisekarte zum Fondue chinoise Tatar angeboten wird.

Die korrekte Bezeichnung für das rohe, gehackte (oder noch besser geschabte) Rindfleisch ist nämlich Tatar. Das Wort leitet sich vom Stamm der Tataren ab. Wie die Mär geht, sollen die Tataren unter ihren Sätteln das rohe Rindfleisch vor dem Verzehr mürbe geritten haben. Ob das stimmt oder doch eher in die Tradition der kulinarischen Märchen gehört, bleibt offen.

Orientalisches Tatar, eins meiner Lieblings-Tatar-Rezepte.

Orientalisches Tatar, eins meiner Lieblings-Tatar-Rezepte.

Die Sauce auf Mayonnaisebasis mit den gehackten Kräutern, Eiern, Kapern und Essiggürkchen entstammt der französischen Küche und heisst korrekt sauce tartare. Warum hier ein R? Auch dieses Wort leitet sich von den Tataren ab, aber auf Französisch schreibt man es korrekterweise mit einem R mehr (und einem E am Schluss des Wortes). Das rohe Fleisch nennen die Franzosen steak tartare, die Engländer wiederum beefsteak oder steak tatare.

Wie kommt also dieses zweite R ins Wort? Sprachkundler vermuten, dass es eine Neigung gibt, in der Aussprache zwei ähnliche Silben einander anzugleichen, weil es einfacher auszusprechen ist.

Und jetzt werden die Aufmerksamen unter euch festgestellt haben, dass Betty Bossi für die Fleischgerichte zwar korrekt Tatar schreibt, die Mayo-Sauce dagegen Tartarsauce nennt. Ist das nun falsch? Nein, denn bei uns hat es sich eingebürgert, den französischen Namen sauce tartare einzudeutschen, das heisst, der Name „tatare“ kommt vor die Sauce und das nicht ausgesprochene E am Wortende entfällt (ähnlich wie bei sauce au champignon, die zur Champignonsauce wird).

Die Tartarsauce oder eben sauce tatare passt zu vielen Sommergerichten.

Die Tartarsauce oder eben sauce tatare passt zu vielen Sommergerichten.

Aber auch wir von Betty Bossi sind nicht unfehlbar, denn in unserer Rezeptdatenbank habe ich tatsächlich auch ein Schwarzes Schaf entdeckt, aber die Sauce ist sehr fein.

Gemeint ist hier natürlich Tartarsauce.

Gemeint ist hier natürlich Tartarsauce.

Und wer sich jetzt die Sache mit dem R nicht merken kann, benennt die beiden Gerichte einfach französisch (also steak tartare und sauce tartare) oder serviert in Zukunft Carne cruda, das ist die piemontesische Variante von Tatar, ganz edel natürlich, wenn man noch frische weisse Trüffel darüberhobelt.

Carne curda aus fein geschnittenem Kalbfleisch, verfeinert mit Trüffel(öl).

Carne cruda, das italienische Tatar, aus fein geschnittenem Kalbfleisch, aromatisiert mit Trüffel(öl).