Poutine – Soulfood aus Kanada

Etwas Warmes braucht der Mensch! Und gerade jetzt, wo es dunkler und kälter wird, gelüstet es uns nach Mahlzeiten, die nicht nur unseren Körper, sondern auch unsere Seele wärmen. Soulfood ist jetzt gefragt, Rezepte, die für ein zufriedenes, gutes Bauchgefühl sorgen und gute Laune machen! Ganz zuoberst auf der Soulfood-Liste stehen natürlich Schokolade, Pasta mit schweren Saucen, warme, cremige Suppen, Gratins mit schmelzendem Käse und feiner Kruste….

Doch das kennen wir alles schon. Was ich euch heute vorstelle ist ein Soulfood-Gericht der Extraklasse, etwas, was ihr vermutlich noch nicht kennt. Ich kannte es auf jeden Fall noch nicht – bis ich es auf Pinterest entdeckt habe: Poutine.

Poutine, eine Riesensauerei

Klingt irgendwie nach Russland, kommt aber aus Kanada. Poutine besteht aus Pommes frites, Käse und darübergegossener Bratensauce. In Kanada ist es eine beliebte Spezialität, die es sogar im McDonalds gibt. Die Legende besagt, dass die erste Poutine 1957 in Warwick, einer kleinen Stadt im ländlichen Québec,  zubereitet wurde, als ein Gast im Restaurant von Fernand Lachance Pommes frites mit Quark bestellte. „Ça va faire une maudite poutine“ („Das wird eine Riesensauerei“), soll Lachance darauf geantwortet haben.

Traditionell wird Poutine mit Cheddar zubereitet. Allerdings nicht mit gewöhnlichem Cheddar, sondern mit sogenannten Cheese curds (auch Cheddar en grains), das ist die weiche, frisch geronnene Masse, die bei der Cheddarherstellung entsteht. Diese Käsestücke schmelzen nicht völlig, sondern werden nur weich, und beim Draufbeissen quietschen sie zwischen den Zähnen. Solche Cheese curds sind bei uns allerdings nicht (oder zumindest nicht so leicht) erhältlich. Darüber, was als Ersatz für Cheese Curds am geeignetsten ist, streiten sich die Geister: Meistens wird grob geriebener, fester Mozzarella empfohlen, auch wenn ein echter Québecois darüber natürlich die Nase rümpfen würde.

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Die Bratensauce machts! Meine enthält dunkles Bier – lecker!

Zur Poutine gehörte auch eine schön sämige Bratensauce, die aber nicht zu dick sein darf, damit sie zwischen den Pommes frites und dem Käse hindurchsickern kann. Die Sauce enthält auch Essig oder andere Säure, um die Üppigkeit der Kartoffeln und des Käses auszugleichen. Québecs Nationalgericht gibt es natürlich in vielen Variationen, manche Poutineries bieten Dutzende von Abwandlungen an – mit Süsskartoffeln, mit anderen Saucen, mit Toppings von Speck bis Trüffeln.

Poutine erinnerte mich spontan an die Pommes frites mit Sauce, die ich als Teenager immer so gern im Hallenbad-Restaurant ass. Also musste ich dieses Gericht probieren. Meine Kolleginnen im Büro waren ziemlich skeptisch, als ich ihnen davon erzählte. „Das gibt doch eine gruusige Pampe“, meinten sie, ganz ähnlich wie damals Lachance (Ça va faire une maudite poutine). Ja, eine Poutine ist wirklich ein bisschen eine Schweinerei – aber wie viele Schweinereien schmeckt sie einfach herrlich!

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Ein bisschen schweinisch ist sie schon – aber vielleicht schmeckt Poutine ja gerade deshalb so gut?

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Wer einen Versuch wagen will, findet hier das Rezept Poutine mit Bier-Bratensauce.