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Pizza wie in Napoli (oder fast)

„Jetzt machst du dann mal was anderes!“, nehme ich mir jedes Jahr von Neuem vor, aber am Ende lande ich während den Sommerferien doch immer in Italien. Das hat viele Gründe, aber ein – ziemlich wichtiger – davon ist, dass es für Familien mit kleinen Kindern auf der Welt fast kein besseres Land für Sommerferien gibt. Da kümmerts keinen, wenn diese laut sind oder im Restaurant herumrennen. Ausserdem gibts in Italien das beste Essen – und das finde nicht nur ich, sondern auch mein Kleiner, nämlich: Pasta, Pizza, Weissbrot und jede Menge Gelati – mehr braucht er nicht.

Pizza napoletana – zum Sterben gut!

So fuhren wir auch dieses Jahr nach Italien, unter anderem auch nach Neapel. Ein altes Sprichwort sagt übrigens: „Vedi Napoli e poi muori!“ oder „Neapel sehen und sterben“. Ich sage aber: „Iss in Neapel ein Pizza, und alle anderen sind für dich gestorben!“

Ja, denn in Neapel schmecken die Pizzen viel besser. Okay, das mag Geschmackssache sein, aber sicher ist: sie schmecken ganz anders: der Teig ist viel weicher, der Rand dicker mit vielen grossen Luftblasen.

Da kommt mir in den Sinn, dass ich vor ein paar Jahren mal in Neapel bei „Da Michele“ war. Das ist wohl die berühmteste Pizzeria Neapels – und seit dem Film „Eat, Pray, Love“ wahrscheinlich sogar der ganzen Welt. Der Laden ist total klein und alles andere als raffiniert, auch das Angebot ist eigentlich dürftig – es gibt da nämlich nur Pizza Margherita und Pizza Marinara, doch dafür nehmen selbst Einheimische gern lange Wartezeiten in Kauf. Vor dem Lokal kriegt man einen Zettel mit einer von Hand gekritzelten Nummer drauf. Wenn die eigene Nummer ausgerufen wird, ist man an der Reihe. Das kann locker eine Stunde Wartezeit bedeuten, die man sich am besten mit einem Drink an der Bar gegenüber verkürzt. Aber das Warten lohnt sich auf jeden Fall.

Über das „Da Michele“ ist viel gesagt worden – mal ist es die beste Pizzeria, mal soll es zur Touristenfalle verkommen sein. Ich weiss nur so viel: Nirgendwo sonst habe ich eine so gute Pizza gegessen wie bei Michele.

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Wahrlich kein Meisterwerk des Interior Designs, doch immerhin sass Julia Roberts im Film „Eat, Pray, Love“ genau in diesem Lokal. An der Vitrine hängt ein Bild der Szene.

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Eine Pizza, die man nicht so schnell vergisst: Margherita ohne Schnickschnack. Einfach nur lecker!

Diese Art Pizza findet man natürlich nicht nur bei „Da Michele“ – in ganz Kampanien und Umgebung wird sie so gebacken. Nach den Sommerferien bin immer ein bisschen frustriert, dass ich bei uns keine solche Pizza bekomme.

Vielleicht, hab ich mir gedacht, kann man eine echte napoletanische Pizza selber backen. Aber wie? Francesco und Fabrizio Condurro, Inhaber und Pizzaioli bei „Da Michele“ müssen es wissen – und neulich haben sie das lang gehütete Geheimnis um ihre Pizza in einer Fernsehsendung gelüftet.

Die berühmteste Pizza der Welt – jetzt auch zu Hause?

Das wichtigste zuerst: Gemäss den Pizzabrüdern kann man im heimischen Ofen niemals eine richtige Pizza backen, da dieser einfach zu wenig Hitze erzeugt. Auch kommen sie ganz ohne Hefe aus. Stattdessen stellen sie jeden Abend ein wenig Hefeteig beiseite, arbeiten diesen am nächsten Tag als Vorteig  wieder in den frischen ein und lassen ihn bis zu 48 Stunden aufgehen. Dieser Vorteig wird seit über drei Generationen sozusagen immer wieder neu geboren.

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Die Pizzaioli im „Da Michele“ verwenden ein Pizzamehl der Marke Caputo und geschälte San Marzano Tomaten. Auf die Pizza kommt Fior di latte, ein spezieller, nicht so feuchter Mozzarella aus Kuhmilch. Als Ersatz kann auch ein gewöhnlicher, gut abgetropfter Mozzarella verwendet werden. Diese Zutaten sind in italienischen Spezialitätenläden erhältich oder im Online Shop von Gustini.

Für den Hausgebrauch empfehlen Sie folgendes Rezept:

Pizza Margherita nach Art von Michele

Natürlich habe ich es gleich ausprobiert. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde „Die Pizza schmeckt genauso gut wie in Neapel“. Eine Pizza napoletana aus dem heimischen Ofen wird wohl für immer ein Traum bleiben. Aber: Sie schmeckt gut. Sehr gut sogar! Und sicher tausend Mal besser als – wie ich es sonst immer mache – einfach nur einen fertigen Pizzateig zu belegen.

Danke Francesco und Fabrizio – mach ich gern wieder!

 

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