Das neue Fülscher Kochbuch

Ein 3-Minuten- oder 5-Minuten-Ei? Das Fleisch vor oder nach dem Braten salzen? Panna cotta mit Vollrahm oder Halbrahm? Coop-Kind oder Migros-Kind? In unserem kulinarischen Alltag lassen wir uns immer wieder in die eine oder andere Fraktion einteilen. Und egal, welcher wir angehören, sind wir immer davon überzeugt, wir seien im Recht und alle anderen hätten keine Ahnung. Das gilt auch für Kochbücher.Da gibt es diejenigen, die mit Betty Bossi Büchern gross geworden sind und die anderen, deren Mütter auf das Werk von Elisabeth Fülscher – das Fülscher-Kochbuch – vertrauten. Und noch heute, wo die Vielfalt an Kochbüchern unendlich ist, schwören sie im Notfall auf die eine oder eben die andere Küchengöttin.

Ein Wunder eigentlich, dass zwischen den beiden Damen nie ein Zickenkrieg ausgebrochen ist. Sie hätten super mit dem Fleischhammer, Filetiermesser oder dem Wallholz aufeinander losgehen können! Aber, ach, ich vergass, Betty Bossi konnte ja gar keine Waffe in der Hand halten, denn sie hat gar nie existiert.

Hilfe, Fräulein Fülscher, was soll ich kochen?

Elisabeth Fülscher dagegen war ein echte Frau aus Fleisch und Blut. 1895 wurde sie in Winterthur geboren, machte eine Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin und arbeitete in der Kochschule von Anna Widmer in Zürich. Von ihr stammt auch die erste Ausgabe des Kochbuch-Klassikers von 1923. Nach dem Tod ihrer Mentorin gab Fräulein Fülscher – auf diese Anrede hatte sie zeitlebens bestanden – das Buch unter ihrem eigenen Namen heraus und überarbeitete es über die Jahre hinweg immer wieder. Rund 200’000 Exemplare wurden davon verkauft, und mehrere Generationen von sorgenden Hausfrauen fanden darin die nötige Inspiration, um ihre Familie zu verköstigen.

Lange war das Fülscher-Kochbuch vergriffen – jetzt wird es endlich neu aufgelegt. Susanne Vögeli und Max Rigendinger, beide seit Jahrzehnten in Küche und Kochschulen tätig, lassen die berühmte Kochbibel wieder aufleben. Die Rezepte sind seit 1966 unverändert, und auch in der Neuauflage wurden sie samt Fotos und Illustrationen eins zu eins übernommen. Die Rezeptnummerierung bleibt ebenfalls erhalten. Anders könnte man sich in den 1700 Rezepten auch gar nie zurechtfinden, denn in praktisch jedem Rezept findet sich ein Verweis auf die Nummer eines anderen Grundrezepts. Das kann natürlich auch ganz schön nerven, denn bestimmt muss man gerade dann ein paar Seiten weiterblättern, wenn man gerade alle Hände voll zu tun hat. Auf den ersten Blick sehen die Rezepte etwas altbacken aus, denn die Bilder von anno dazumal entsprechen nicht unbedingt den heutigen Vorstellungen von gelungener Food-Fotografie. Andererseits strahlen sie aber auch einen kultigen Retro-Chic aus.

Das bewährte Nummernsystem im Fülscher-Kochbuch. Bild: via elisabeth-fülscher.ch

Das bewährte Nummernsystem im Fülscher-Kochbuch.
Bild: via elisabeth-fuelscher.ch

Fast schon kultig: die Originalbilder von damals.  Bild: via elisabeth-fülscher.ch

Fast schon kultig: die Originalbilder von damals.
Bild: via elisabeth-fuelscher.ch

Wie auch immer – was hinter den Bildern steckt, ist auf jeden Fall noch heute eine solide Basis für bewährte Küche „von internationalem Niveau“ (so der frühere Untertitel des Buches). Das neueste Fülscher-Kochbuch erscheint am 30. September. Einen Blick reinwerfen, oder eure Bestellung aufgeben könnt ihr auf der Website der Herausgeber.

Kochbegeisterte können unter „Fülscher zum Mitkochen“ auch ausgesuchte Originalrezepte aus dem Buch selber nachkochen, anpassen, ihre Erfahrungen teilen und so das Fülscher-Kochbuch gemeinsam mit anderen Fülscher-Fans ständig weiterentwickeln.

Zickenkrieg, nein danke!

Genau wie Betty Bossi lag es Elisabeth Fülscher am Herzen, der Schweizer Hausfrau auf der täglichen Suche nach Kochideen, unter die Arme zu greifen. Und genau wie Betty Bossi tat sie das mit Erfolg. Vielleicht wären die beiden wahrhaft grossen Frauen – hätten sie sich jemals getroffen – auch gar nie an die Gurgel gesprungen, sondern hätten – ganz nach Samuel Smiles – gemeinsam Rezepte ausgeheckt.

<a title="By Samuel Smiles (d. 1904) [Public domain], via Wikimedia Commons" href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASmiles_Samuel_black_white.jpg"><img width="256" alt="Smiles Samuel black white" src="//upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e7/Smiles_Samuel_black_white.jpg"/></a>

„Kleine Menschen mögen auf ihre Genossen neidisch sein; wahrhaft
grosse Männer suchen einander auf und lieben sich.“ Samuel Smiles.
Bild: Samuel Smiles [Public domain], via Wikimedia Commons

Und zu welcher Fraktion gehört ihr? Seid ihr Fülscher-Kinder oder Betty-Bossi-Kinder oder weder noch?