Kraut und Rüben in London

„Eat well, travel often“ –  von wem dieser Spruch stammt, habe ich keine Ahnung, aber ich bin auf jeden Fall gleicher Meinung. Ginge es nach mir, würde ich die ganze Zeit nur noch genau das tun. Aber ich muss ja auch noch arbeiten, nicht wahr… Welch ein Glück also, wenn man die Arbeit gleich noch mit einer kleinen kulinarischen Eskapade in eine fremde Stadt verbinden darf! Vor zwei Wochen reisten Gabi und ich nämlich nachLondon, an die FoodbloggerConnect, die grösste Foodblogger-Konferenz Europas.  Und was wir da gesehen, gelernt und gegessen haben, war einfach umwerfend. Allein schon von der Location könnte ich ewig schwärmen. Das Chiswick House ist eine Villa mit einer spektakulären Parkanlage im Londoner Stadteil Chiswick. Auf dem Programm waren drei vollgepackte Tage mit diversen Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden mit bekannten Foodbloggern und Journalisten, mit erfahrenen Fotografen, Köchen und Stylisten, mit Marketing- und Trendexperten und mit einem leckeren kulinarischen Hintergrundprogramm.

Eine traumhafte Location: Chiswick House and Gardens. Bild via foodbloggerconnect.

Eine traumhafte Location: Chiswick House and Gardens. Bild via foodbloggerconnect.

 

Starblogger David Frenkiel von Green Kitchen Stories steht Rede und Antwort in Sachen professionnelles Foodblogging.

Starblogger David Frenkiel von Green Kitchen Stories steht Rede und Antwort in Sachen professionelles Foodblogging.

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Für den kleinen Hunger stehen coole Street Food Stände im Park verteilt. Wir greifen bei Oh my Dogs Hotdogs zu.

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Schmecken echt lecker. Gabi (rechts) mit der klassischen Variante, ich (links) mit der vegetarischen Version.

Foodfotografie kann man lernen

Unsere persönlichen Highlights waren eindeutig die beiden Fotoworkshops. Als Redaktorinnen, Produzentinnen und Product Manager für die Betty Bossi Zeitung und Bücher wussten wir natürlich schon ziemlich viel darüber, was ein gutes Foodbild ausmacht, doch eine digitale Spiegelreflex-Kamera  selber zu bedienen ist dann doch nicht so selbstverständlich.

Tageslicht ist das A und O für ein schönes Bild. Natürlich gehts auch mit Lampen und Blitzen, aber welcher Foodblogger hat schon Lust und Platz, seine Küche mit Studio-Equipment vollzustellen… Die meisten Foodblogger – auch Gabi und ich – fotografieren ihre Beiträge in ihren privaten Küchen, und da sind Stylingmöglichkeiten natürlich beschränkt und die Lichtverhältnisse nicht immer optimal.

Nach den Workshops wissen wir, wie eine digitale Spiegelreflexkamera grundsätzlich funktioniert und was es mit Blende, Belichtungszeit und ISO auf sich hat. Und wer diese drei Komponenten richtig einstellen und aufeinander abstimmen kann, hat das Bild schon so gut wie im Kasten.

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Fotograf William Reavell und Stylistin Tara Sura (nicht auf dem Bild) zeigen live, wie sie arbeiten.

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Untergrund und Stylingelemente müssen sorgfältig ausgewählt werden, sie sollen Stimmung schaffen, aber dem Essen nicht die Show stehlen – weniger ist oft mehr.

Viele weitere Tricks verraten die Foto-Teams während der praktischen Arbeit. Gabi und ich haben gut aufgepasst und werden unser neues Wissen in unsere Fotos einfliessen lassen – hoffentlich seht ihr eine positive Veränderung!

Verrückt nach Gemüse, aber kein Vegetarier

Neben der Konferenz blieb uns leider nicht viel Zeit, um die Stadt zu erkunden, aber ein gutes Nachtessen muss auf jeden Fall drinliegen. Unsere Wahl fiel auf das Ottolenghi Spitalfields.

Sieht gut aus, kocht gut und ist auch sonst ein cooler Typ: Yotam Ottolenghi. Bild: von Keiko Oikawa (Katieheartwiki received this from Keiko Oikawa.) [Public domain], via Wikimedia Commons

Sieht gut aus, kocht gut und ist auch sonst ein cooler Typ: Yotam Ottolenghi. Bild: Keiko Oikawa, via Wikimedia Commons.

Yotam Ottolenghi ist bekannt für seine neue Interpretation der orientalischen Küche und seine Liebe zu Gemüse. Übrigens ist Ottolenghi mehr als ein interessanter Koch, er ist eine faszinierende Persönlichkeit. Geboren und aufgewachsen ist er in Jerusalem. Vor seiner Kochkarriere studierte Ottolenghi Philosophie und Literaturwissenschaften und arbeitete als Journalist bei einer grossen israelischen Tageszeitung. Erst später kam er nach London und liess sich als Koch ausbilden. Dort lernte er Sami Tamimi kennen, mit dem er mehrere Restaurants in der Stadt gründete. Tamimi ist palästinensischer, Ottolenghi isralischer Herkunft – dazu meint Ottolenghi nur „Wenn es etwas auf der Welt gibt, das den arabisch-israelischen Konflikt lösen kann, dann ist es Hummus„. Ziemlich cool, nicht? Ottolenghi ist aber nicht nur kreativ, intelligent und cool – er ist auch ein ausgebildeter Pilates-Instruktor. Vielleicht sieht er deshalb so attraktiv aus! Der Frauenwelt bleibt er auf jeden Fall vorenthalten – er und sein Ehemann sind vor Kurzem durch Leihmutterschaft Väter geworden; über diese Erfahrung spricht Ottolenghi ganz offen.

Aber zurück zum Essen: Wir haben vorzüglich gespiesen, das kann ich euch versichern. Doch mit schönen Bildern kann ich leider nicht aufwarten – das Licht im Lokal war einfach nicht geeignet für einen diskreten Schnappschuss mit dem iPhone.

 

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Gebratene Aubergine mit Datteljoghurt, eingelegter Zitrone und Basilikum.

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Gelbflossen-Thunfisch mit Honig-Ingwer-Frühlingszwiebel-Sojasauce.

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Gebratene Jakobsmuscheln auf Polenta.

Wer die aromatische Küche von Ottolenghi näher kennenlernen möchte, der findet auf seiner Website viele Rezepte zum Nachkochen. Eines davon ist dieser Baumnuss-Halva-Cake. Ich habe das Rezept für Euch übersetzt, umgerechnet, angepasst – und es mit all meinen neu gewonnenen Kenntnissen fotografiert. Das Rezept findet ihr in diesem separaten Blog-Beitrag.

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Natürlich ist das längst nicht alles, was Gabi und ich in London gesehen und erlebt haben. Weitere News findet ihr im Laufe der Woche auf unserer Facebook-Seite.