Klein, aber fein. Santé.

Etikettentrinker nicht weiterlesen. Geniesser und Neugierige bitte weiterlesen. Heute möchte ich euch ein kleines, aber feines Weinanbaugebiet mit seinen Weinen vorstellen, das ich bis vor kurzem (leider!) noch nicht kannte. Unter Weindfachleuten gilt es – was die Qualität betrifft – als das dritte grosse B neben Burgunder und Bordeaux, aber das Weinbaugebiet, das ich meine, ist viel kleiner und wartet weder mit prestigeträchitgen Namen und Châteaux noch mit riesigen Mengen auf. Es liegt an der provenzalischen Küste zwischen Marseille und Toulon und ist seit 1941 als AOC-Gebiet Bandol registriert. Die meisten Reben wachsen allerdings auf dem Boden der Gemeinden La Cadière d’Azur, zum Teil auch noch in Saint-Cyr-sur-Mer und Ollioules. Die Weinberge bedecken gerade mal etwas über 1400 Hektar, im Vergleich zu den Anbauflächen von Burgunder (24’000 Hektaren) und Bordeaux (240’000 Hektaren) wirklich klein.

Der kleine, dunkelgrüne Fleck unterhalb der Côtes de Provence markiert das kleine Bandol. Bild via ps-weine.

Der kleine, dunkelgrüne Fleck unterhalb der Côtes de Provence markiert das kleine Bandol. Bild via ps-weine.

 

Angebaut werden Weiss-, Rosé- und Rotweine, und die Winzer dieser Region verstehen es, Tradition mit neuer Technik zu vereinen, wobei sie klar auf Qualität statt Quantität setzen: Pro Hektare dürfen maximal 40 Hektoliter produziert werden. Zudem ist das Anbaugebiet durch die Appellation streng begrenzt. Der Boden eigenet sich aufgrund der Trockenheit und der pulvrigen Textur für den Qualitätsanbau, Bandol-Weine besitzen die Eigenschaften eines Premier Grand Cru.

Idyllisch gelegene Rebberge im Landesinnern... Bild via Hachette vins.

Idyllisch gelegene Rebberge im Landesinnern… Bild via Hachette vins.

 

... und an der Küste geniessen die Trauben die Lage einer Luxusvilla. Bild via Vin de Bandol.

… und an der Küste geniessen die Trauben die Lage einer Luxusvilla. Bild via Vin de Bandol.

Die Rebsorten für Weisswein sind Bourboulenc, Clairette blanche, Ugni blanc, in kleineren Mengen auch noch weitere Sorten. Sowohl die Weiss- als auch die Roséweine sind mineralisch und dezent-fruchtig, sehr schöne Sommer- und Apéro-Weine, aber auch gute Essensbegleiter zum Beispiel von Fischgerichten. Für den Roséwein wird 20 bis 95% die Rebsorte Mourvèdre eingesetzt, sie ist die Hauptrebsorte des Bandols, die auch den Rotweinen der Region den charakteristischen, körperreichen Geschmack verleiht.

Beim Rotwein werden zwischen 50 und 95% Mourvèdre verwendet, das heisst, die Bandol-Weine sind in der Regel Cuvées, Mourvèdre wird also mit weiteren Rebsorten gemischt, zum Beispiel mit Grenache, Carignan und Cinsault, in seltenen Fällen auch mit Syrah. Aufgrund des grossen Anteils an Mourvèdre sind die Weine kräftig, körperreich und lange lagerfähig, zehn bis 20(!) Jahre dürfen und können diese Rotweine im Keller liegen und reifen. Werden sie (zu) jung genossen, sind sie wuchtig, fruchtig und sehr komplex, je älter sie werden, um so eleganter und ausgewogener sind sie. Mit zunehmendem Alter überwiegen animalische Noten wie Leder die fruchtigten Noten der Jugend, wobei die charakteristische Brombeernote auch bei gereiften Bandol-Weinen immer noch deutlich erkennbar ist.

Wer also einen guten roten Bandol kauft, tut gut daran, die Kistchen weit hinten im Keller zu verstauen und erst einmal lange Zeit zu vergessen. Ab dem siebten, achten Jahr kann man mal ein Fläschchen öffnen und den Wein probieren, dabei den Wein unbedingt dekantieren und ihm einige Stunden Zeit geben, sich zu öffnen. Ab jetzt kann man in Jahresabständen eine Flasche kredenzen und erleben, wie sich der Wein verändert, reift und immer eleganter wird. Mit zehn Jahren sind Bandol-Weine schon richtig schön, aber eben, dank ihrer guten Qualität muss man jetzt nicht alles schnell austrinken, sondern kann noch einige Jahre viel Freude an ihnen haben.

Trotz all ihren Vorzügen sind die Bandol-Weine bei uns erst in Weinkennerkreisen bekannt, was schade ist, denn es sind wirklich schöne Weine. Andererseits ist das vielleicht ganz gut so, denn die Preise sind noch echt erschwinglich, vor allem verglichen mit den beiden anderen grossen B-Weinen. Noch muss man sie etwas suchen, sie sind nicht so leicht erhältlich, einige gut sortierte Weinhändler haben allerdings Bandol-Weine im Sortiment. Wer also Lust bekommen hat, sich einmal mit diesen Weinen zu beschäftigen und sich einen Überblick über diese spannende Weinregion zu verschaffen, aber nicht Weinhandlung für Weinhandlung abklappern möchte, kann sich bei Bandol.ch einlesen und auch bestellen.

Und zuletzt noch ein Geheimtipp für nicht ganz so Geduldige: Der Bunan Rouge, Moulin des Costes, 2008, ist schon jetzt sehr schön zu trinken, also kann man getrost eine erste Flasche öffnen und dieses Aromafeuerwerk schon einmal geniessen. Die restlichen Flasche dann aber hübsch einlagern und sich darauf freuen, was sie in ein paar Jahren noch alles zu bieten haben.

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