Comme les millionaires

Champagner zum Frühstück, dazu reichlich Kaviar, wie herrlich!! So stell ich mir das perfekte Geburtstagsfrühstück vor. Aber leider ging der fette Lottogewinn von neulich nicht auf mein Konto. Und dennoch:

Bei meinen Recherchen zum Blog Molekularküche für Dummies habe ich ein Produkt entdeckt, das mir meinen perfekten Start in den Geburtstag eventuell doch ermöglicht: Algenkaviar, der ist 100% vegan, schont also die Fische und soll erst noch toll schmecken. So hab ich mir ein Pfund davon bestellt. Ihr lest richtig, ein Pfund! Und das für nicht mal 13 Franken. Im Vergleich dazu, die gleiche Menge echter Kaviar kann schon mal 2’000, weisser Kaviar sogar um die 18’000 Franken kosten!

 

Der Algenkaviar sieht für mich als Laie aus wie Kaviar, schwarz, glänzend, feinkörnig.

Der Algenkaviar sieht für mich als Laie aus wie Kaviar, schwarz, glänzend, feinkörnig.

 

Degustationsnotiz

Die Konsistenz ist dicht, die Kügelchen optisch klein und fest, von klarer schwarzer Farbe. Der Geruch ist frisch, aber es braucht etwas Fantasie, um einen dezenten Meergeruch zu erschnuppern. Im Biss sind die Körnchen kernig und platzen zwischen den Zähen wie bei echtem Fischrogen. Im Aroma kommt das Produkt echtem Kaviar aber nicht sehr nahe. Ein hoher Säureanteil durch die Konservierungsstoffe ist sehr markant. Angenehm finde ich, dass das Produkt nicht so stark gesalzen ist wie oft die günstigen Fischrogen-Produkte.

So mag ich Kaviar am liebsten: wenig Crème fraîche oder sauren Halbrahm in Mini-Tartlette-Böden geben, mit Kaviar und einem Fitzelchen Limette oder Zitrone garnieren.

So mag ich Kaviar am liebsten: wenig Crème fraîche oder sauren Halbrahm in Mini-Tartlette-Böden geben, mit Kaviar und einem Fitzelchen Limette oder Zitrone garnieren.

Wie wird Algenkaviar hergestellt?

Ausgangsprodukt ist Seetang, einige Hersteller bewerben ihr Produkt mit «handgepflückten Algen aus Wildkulturen». In einem patentierten Verfahren wird es aus Seetang gewonnen, genauer aus der Braunalge, für den Kaviar wird das Seetangextrakt verwendet, weiter enthält der falsche Kaviar Wasser und Salz. Bis hierhin ist man nicht weiter überrascht. Aber das Kleingedruckte geht noch weiter:

  • Seetangextrakt (Alginsäure 83%, E 400–405), Wasser, Salz,
  • Gewürzextrakt (nicht näher spezifiziert)
  • Säuerungsmittel (Zitronensäure, E 330)
  • Stabilisator (Xanthan, E 415, wird oft auch als Verdickungs- und Geliermittel eingesetzt)
  • Konservierungsstoff (Kaliumsorbat, E202; Natriumbenzoat, E211)
  • Farbstoff (veg. Carbon, Pflanzen- oder Biokohle, E 153)
Die Zutatenliste mit ziemlich viel Extras…

Die Zutatenliste mit ziemlich viel Extras…

Speziell zu beachten: Das Produkt kann auch ungekühlt bis Juli 2017 (!) gelagert werden, geöffnet im Kühlschrank immerhin auch noch 3 Monate! Ich würde da kürzere Lagerdauer, dafür weniger Konservierungsstoffe vorziehen.

Eigentlich ein rechter Industriecocktail, doch wenn man es genau betrachtet, finden sich diese «Helferchen» heute in vielen vertrauten Produkten wie Joghurt, Desserts, Konserven, Saucen usw. Und da es sich beim Algenkaviar um ein Nachahmungsprodukt handelt, war ja zu erwarten, dass da nicht 100% Natur drin ist. Und wer jetzt denkt, dass echter Kaviar nur mit Fischrogen und Salz auskommt, wird enttäuscht. Die meisten Produkte enthalten Borax (ein Konservierungsmittel, E 285).

Trotzdem – schon ein schöner Anblick, so viel Kaviar auf einmal!

Trotzdem – schon ein schöner Anblick, so viel Kaviar auf einmal!

Fazit

Für ein petit déjeuner comme les millionaires eignet sich der Algenkaviar wegen seines hohen Säureanteils meiner Ansicht nach nur bedingt, mit Crème fraîche in Tartelettes-Bödeli aber sehr wohl (saurer Halbrahm würde die Säure noch zusätzlich unterstreichen). Auch als Garnitur für Rauchlachs mit etwas Dill oder zu Rührei und auf Jakobsmuscheln (Rezept im Blog Molekularküche für Dummies) könnte ich mir das Produkt vorstellen. Es lässt sich damit auf jeden Fall einen Effekt auf einer Vorspeise oder einem Buffet erzielen.

Algen-Kaviar gibt es in verschiedenen Geschmacksvarianten und Farben, und im Gegensatz zum echten Kaviar kann er auch in der warmen Küche eingesetzt werden. Und er färbt nicht ab, d.h. Gerichte lassen sich so gut vorbereiten.

 

 

Kaviar stilvoll servieren

Crushed ice in eine Glasschale geben, eine kleinere Glasschale mit dem Kaviar hineinstellen. Niemals mit Silber- oder Stahllöffel servieren, sie sollen den Geschmack beeinträchtigen, wenigstens bei echtem Kaviar. Ganz stilecht sind Perlmuttlöffel, auch Glas-, transparente oder perlmuttfarbene Kunststofflöffel passen.

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Das crushed ice kann man einfach selber herstellen: Eiswürfel in ein Tuch einschlagen, mit einem Wallholz die Eiswürfel zerkleinern.

Übrigens: Man kann auch einen Prosecco, Weisswein oder Wodka zu Kaviar servieren, aber mit dem Champagner ist das Prinzessinengefühl doch noch etwas perfekter.

 

Bezugsquelle z.B. Gourmet Outlet