10 Kochirrtümer, die immer noch herumschwirren

Sie sind einfach nicht aus unseren Köpfen zu kriegen – kein Wunder, hat man sie uns doch jahrelang eingetrichtert. Hier sind zehn der hartnäckigsten Mythen aus der Welt der Küche, samt Begründung, warum sie nicht stimmen können. Lasst uns hoffen, dass sie uns nie wieder plagen.

1.  Frisches Gemüse ist gesünder als tiefgekühltes

Broccoli tiefgekühlt Stimmt nicht unbedingt. Tiefkühlgemüse ist besser als sein Ruf und enthält meistens gleich viele Vitamine wie frisches. Und manchmal sogar mehr. Denn für Tiefkühlprodukte wird das Gemüse schon wenige Stunden nach der Ernte schockgefroren – so bleiben die Vitamine oft besser erhalten als in frischem Gemüse, das möglicherweise eine weite Reise hinter sich hat und dann zu lange oder unsachgemäss im Gemüseregal aufbewahrt wird. Selbstverständlich hat Gemüse dann die meisten Vitamine, wenn es direkt vom Feld kommt und sofort gegessen wird. Aber normalerweise liegen zwischen Ernte und Zubereitung immer ein paar Tage.

 

2.  Alkohol verdunstet beim Kochen

Cookery course: pouring wine into a pan with risottoBeim Kochen nimmt der Alkoholgehalt zwar ab, aber eben nicht ganz so schnell, wie man immer meint. Wie viele Prozente bleiben, haben Forscher von der University of Idaho herausgefunden: Eine Flüssigkeit mit Alkohol, die eine halbe Stunde gekocht hat, enthält immer noch 35 Prozent des ursprünglichen Alkoholgehalt, und selbst nach 2,5 Stunden Kochen snd darin immer noch fünf Prozent der ursprünglichen Alkoholmenge. Ist ja auch irgendwie logisch, oder, auf dem Weihnachtsmarkt steht der Glühwein doch auch stundenlang auf der Heizplatte und trotzdem wird man davon noch beschwipst, wenn man zuviel trinkt.

 

3.  Reis im Salzstreuer verhindert das Festklumpen

Saltshaker and pepper shaker on a wooden table.

© pzAxe – Fotolia.com

In vielen Restaurants sieht man ihn immer noch: den Salzstreuer mit den Reiskörnern drin. Angeblich sollen diese dem Salz die Feuchtigkeit entziehen und so dafür sorgen, dass es nicht klumpt. Meistens rieselt das Salz auch schön locker aus dem Streuer, nur dass es das nicht dem Reis zu verdanken hat, sondern dem Trennmittel, das dem Salz heute beigemischt wird, damit es eben nicht verklumpt. Ja, klar eigentlich. Ich meine, sonst müssten die Reiskörner im Salzstreuer nach einer Weile ziemlich aufgequollen aussehen und wohl auch ausgetauscht werden.

 

4.  Pilzgerichte darf man nicht aufwärmen!

Pilz-Fond 004Die Sache ist die: In Pilzen steckt viel Eiweiss, und davon ernähren sich Bakterien gern. Wenn Resten von Pilzgerichten bei Zimmertemperatur stehen gelassen werden, können sie durch Bakterien verdorben werden. Werden Pilzresten wieder erwärmt, reicht die Hitze unter Umständen nicht aus, um die Bakterien abzutöten, und so können diese eine Lebensmittelvergiftung auslösen. Wer ein Pilzgericht aufwärmen möchte, sollte es nur lange genug richtig erhitzen – mindestens 10 Minuten. Bis dahin lässt man die Resten nicht unnötig lang herumstehen, sondern kühlt sie am besten aktiv ab, z.B. im kalten Eiswasserbad und bewahrt sie bis zu einem Tag im Kühlschrank auf.

 

5.  Knoblauch sollte man nicht pressen

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Bild: Lee Kindness, via Wikimedia Commons

Durch das Pressen einer Knoblauchzehe, so heisst es, würden die Zellen zerquetscht, die Aromastoffen oxidieren und bitter werden. Viele schneiden den Knoblauch daher lieber in feine Scheiben oder hacken ihn. Aber das kann doch nicht ganz stimmen: Wenn der Geschmack im Zellsaft steckt, warum sollte man dann nicht möglichst viele Zellen zerquetschen, um ein Höchstmass an Aroma aus der Zehe zu pressen? Und warum sollte der Zellsaft, der beim Schneiden austritt, nicht auch oxidieren? Aber egal, aktuelle Studien aus Argentinien lassen ohnehin vermuten, Pressen sei gesünder. Erst durch das Quetschen der Zehen wird nämlich das Enzym Alliinase freigesetzt, welches das gesunde Allicin bildet. Dieses soll Arterienverkalkungen und anderen Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen.

 

6.  Nudeln verkleben nicht mit Öl im Kochwasser

Stimmt, aber das tun sie im sprudelnden Wasser sowieso nicht – auch ohne Öl. Erst nach dem Kochen, wenn das Öl unter die Abgetropften Nudeln gemischt wird, kann es ein Verkleben verhindern. Aber dann kann man auch gleich etwas Sauce darunterrühren, die ist wahrscheinlich weniger fettig und hat denselben Effekt.

 

7.  Die matte und die glänzende Seite der Alufolie haben unterschiedliche Funktionen

Manche sagen, dass die glänzende Seite von Alufolien die Hitze besser reflektiert als die matte, und dass Lebensmittel deshalb mit der glänzenden Seite innen oder aussen eingepackt werden müssen, je nachdem, ob sie warm oder kühl bleiben sollen. Das ist zwar theoretisch richtig, bei Temperaturen unter 500 Grad spielt der Unterschied zwischen den beiden Seiten aber keine Rolle. Es ist darum völlig egal, welche Seite innen oder aussen liegt. Die unterschiedlichen Seiten entstehen während der Produktion: beim Walzen liegen jeweils zwei Folien übereinander, sodass nur die äusseren Seiten mit der Walze in Berührung kommen, während die aufeinander liegenden Seiten matt bleiben.

 

8.  Ein verschluckter Kaugummi kann den Magen verkleben

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Bild: Enokson, via Flickr

Kann gar nicht sein, so viele Kaugummis, wie ich schon verschluckt habe! Für einen gesunden Menschen ist ein verschluckter Kaugummi völlig unbedenklich. Im Magen werden alle verdaulichen Inhaltsstoffe herausgelöst und aufgenommen. Der unverdauliche Rest wird wieder ausgeschieden. Nur bei Menschen mit Störungen der Magen- oder Darmbeweglichkeit können verschluckte Kaugummis zusammenballen. Schwierig könnte es auch werden wenn gleich mehrere Kaugummis auf einmal oder zusammen mit anderem unverdaulichen Material wie etwa Plastikteile, verschluckt werden. Dann ist der Kaugummi womöglich einfach zu gross um sich problemlos seinen Weg durch den Körper zu bahnen.

9.  Für Kartoffelstock muss man mehligkochende Kartoffeln nehmen

 

Kartoffelstock 013Man kann, man muss aber überhaupt nicht. Mehlig kochende Kartoffeln werden vor allem aus einen Grund immer wieder empfohlen: Sie werden weicher und lassen sich daher leichter zerstampfen als festkochende. Doch sie enthalten auch viel Stärke, und beim Zerkleinern kann diese leicht verkleistern, sodass das Resultat klebrig und zäh werden kann. Festkochende Kartoffeln sind etwas schwieriger zu zerstampfen, das Püree bleibt aber schön locker und schmeckt auch ganz gut.

 

10.  Kaffee entzieht dem Körper Wasser

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Bild: depone, via Flickr

Das ist kalter Kaffee! Lange glaubt man, Kaffee entziehe dem Körper Flüssigkeit, daher solle man zu jeder Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser trinken. Völlig unnötig, zeigen neuere Untersuchungen. Wer Kaffee trinkt, scheidet bis zu 84 Prozent der Flüssigkeit wieder aus. Wer Wasser trinkt, bis zu 81 Prozent. Schlappe 3 Prozent Unterschied – das kann man vernachlässigen. Koffein regt die Nierentätigkeit zwar an, bei häufigem Konsum gewöhnt sich der Körper jedoch daran, und die harntreibende Wirkung verringert sich. Kaffee braucht also nicht mit Wasser kompensiert zu werden, man darf ihn sogar zur täglichen Flüssigkeitsbilanz mitrechnen.

 

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